Alles muss man selber machen

Die erste Herausforderung, die Herausforderer und Herausgeforderter zusammen bearbeiten! In einer trüben grünen Feierabendstunde gab ich dem Filialleiter mal wieder drei Wörter, die er sinnvoll in ein Gedicht einbauen musste. Nachdem er einige Stunden daran saß, und zugegebenermaßen einige herrliche Reime fand, gab er irgendwann einfach auf. Ja genau, ER GAB EINFACH AUF. Aber natürlich konnte die Herausforderung, einmal angenommen, nicht wieder aufgegeben werden (das verbietet der internationale Challenge-Codex). Und so schusterte ich mit Mühe den Rest zusammen. Ich darf mehr oder weniger stolz präsentieren: Das Gedicht zu „Synallagma“, „Natriumchlorid“ und „Selbstzweck“.

Es geschah auf einem Lübecker Rastplatz, zwischen Zügen und Lastern;
Als ich unüblich früh erwacht war, ein echter Kraftakt,
Legte ich die Mühen der zugigen Nacht ab, streckte die müden Glieder,
Hüpfte rum und setzte mich wieder auf die karierte Matte, die als einziger Platz überdacht war.
Früher, als ich in vollen Zügen gelacht hab, wurde ich voller Energie wach,
doch nach allem, was passiert war, war mir mal wieder glasklar, dies würde ein typischer Kacktag.
Ich frühstückte ein paar Gabeln Pasta – Lübeck, trübseliges Pflaster.
Ich vernahm, was mir jetzt schon verhasst war: das Plappern des biederen Platzwarts.

Er und ein zynischer Rasta saßen auf einem Pappkarton,
Laberten rum und zogen an einer Wasserbong.
Ich hörte: „Nettigkeit ist Selbstzweck. Lies einfach den Quelltext
des Lebens, Mann. Man muss alles geben, was man geben kann“
Ich rekelte mich auf meinem Feldbett nebenan,
im ekligen Regen, und dachte mir, dass er schon reden kann –
Ich bin wohnungslos und das womöglich lebenslang.
Und seit ich Essen bestellte, ist auch mein letztes Geld weg.
Ich kritzelte Mangas auf einen nassen Kassenbon
Und seufzte gelassen, was macht das schon.

Da grüßte der prüde Nachbar, ein Hüne mit echt üblem Charakter,
Der schon als Schüler wegen Prügeln im Knast war.
Er sagte: „wer ist der südländische Gast da? mit fremden Menschen kann ich nicht,
ich hatte nur Heimat- und Sachunterricht, Ausländer mag ich nicht, basta.
Aber der und ihr, das passt ja, ihr seid ja so links-grün-versifft,
Kifft immer hier, wenn man euch trifft, weil Gras das Gefüge der Macht wahrt.“
„Toleranz ist ein Synallagma“, sagte der Rasta, der zu allem Überfluss nackt war,
„Leg deinen Hass mal ad acta, Gefühle sind übertragbar.“

Da merkte ich, dass ich die Verletzungen und Dummheit nicht ertrug,
Ich hatte nach den ersten Sätzen schon rundum genug.
Lasch wie eine Glühbirne mit Leistung unter einer Wattstunde
(Egal, ich bin ja arbeitslos gemeldet) blätterte ich in Sachen von Ovid
Als mich der Nazi rief, reagierte ich so wenig wie Natriumchlorid.
Dieser Idiot auf Ritalin hat mich zu lang tyrannisiert,
aber ich trainiere meine Disziplin und schlag aus seinen Ausfällen Profit,
doch was sie mir verübelten, brannte wie Salz in einer Platzwunde.
Sie liefern jeden Tag Herabsetzungen, Zug um Zug;
in jedem Satzfetzen erwarten sie nur Lug und Trug.

„Wer braucht diesen Abschaum? unser Sozialsystem ist nicht wirklich so belastbar.“
„Ja aber Mann, du musst doch mal verstehen: die Würde ist unantastbar.“
Dieser Nazi ist ein Arsch, wie kann er nur morgens in den Spiegel schauen?
Ich wünschte, er wär eine Blume oder ein Olivenbaum, oder nur tonloses Rattern.
Ich fühlte mich wie bei Kafka, vielleicht ist das hier ein riesen Traum;
ich liege hier und kann mich kaum zu niesen trauen, trinke Vodka mit Wasser,
immer weiter, obwohl ich nach wenigen Zügen schachmatt war.
Rückzug und Apathie sind nicht dasselbe, aber beides hat was …

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